Sonntag, 4. April 2010

Die schönen Dinge des Lebens.

Jeder, der schon einmal 'Lost in Translation' gesehen hat, kennt das Tokioter Nachtleben in seinen Grundzügen. Gestern kam ich erstmals in den Genuss, dessen zentrale Bestandteile persönlich kennenzulernen: Izakaya & Karaoke.

Man stelle sich vor: 7 Amerikaner, 1 Kanadier, 1 Australier und 1 Deutscher (guess who) langweilen sich auf der alkoholfreien 'Orientation Party' ihrer neuen Universität. Das macht: 10 nach Bier durstige Männer in einem Land, dessen inoffizielles Nationalgetränk Bier ist. Glücklicherweise ist unter uns ein waschechter Otaku- Geek, dem dank langjähriger Japan- Erfahrung (& nahezu perfektem Japanisch) Tokios Hot Spots offensichtlich schon bekannt sind. Und so finden wir uns keine 20 Minuten später im Express- Zug der Japan Railway Company wieder, der uns in die billige Vorstadt transportiert.

Das lustige an Tokios Vorstädten ist, dass sie scheinbar genauso wie Tokio selbst aussehen: Wolkenkratzer, bunte Lichter und große Menschenmassen. Einer dieser Wolkenkratzer beherbergt im 7. Stock ein sog. Izakaya, zu deutsch "da, wo es Alkohol gibt". Hierbei handelt es sich um eine Art Kneipe im traditionell japanischen Sinne: Schuhverbot, Tatamimatten & Sitzkissen, niedrige Tische, abgesonderter Raum mit eigener Bedienung und... Karaoke- Maschine. Karaoke ist seit den frühen 1970ern Japans Antwort auf Hiroshima / Nagasaki und hat die Welt ebenso wie ganz Tokio im Sturm erobert.

Der Grund, warum wir gerade hier sind, ist aber nicht das Interesse an japanischer Kulturgeschichte, sondern ein sehr viel profanerer: All you can drink, zwei Stunden für 2000 Yen (18€). Ist für japanische Verhältnisse wohl mordsbillig. Unser illustres Grüppchen mietet sich also für 2 1/2 Stunden einen Raum und feiert den Einstand in Tokio. Die Meilensteine des Abends lauten (in Kurzform) wie folgt: John, ein muskelbepackter GI- Prototyp aus San Francisco, fordert 'Germany' zum Wettkampf auf, wer 0,5L schneller ext. Ich denke, ich habe mein Vaterland würdig vertreten. 'Germany' muss 99 Luftballons & Rammstein singen, um den Rest der Gruppe von seinen Deutschkenntnissen zu überzeugen - und performt als Zugabe das japanische Kinderlied Nr. 1 "Tonari no Totoro" (Mein Nachbar Totoro) sowie seinen persönlichen Evergreen "Africa" von Toto. In zwei Stunden fließt übertrieben viel Bier und es gibt Tintenfisch und ähnlich Abartiges zu essen.
An mehr erinnere ich mich nicht.

MF Doom - One Beer


PS: It's gonna take a lot to drag me awayyyyyyyyyyyyyy from youuuuuuuuuuuuu
Toto - Africa

2 Kommentare:

bockemühl hat gesagt…

carsten,
uns tun die bäuche weh vor lachen über deine schilderung des dann wohl doch recht flüssigen gestrigen abends.
ist ja fast wie prohibition da bei euch in tokio!!
aber, wer suchet, der findet!!!
weiterhin eine gute zeit,
alles liebe,
deine eltern

Anonym hat gesagt…

Denen hast dus gezeigt... Bei mir beschweren sich die Amis immer, "the Germans take waaaay to long to get drunk!" (dafuer gehen wir aber auch nicht schon um 0:30 nach Hause :P)

PS: Mehr Bilder! :D

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